Quantum Break - Xbox One Test / Review
Grafik 83%
Steuerung 90%
Sound95%
Gameplay 80%
Spielspass92%
Pro
  • Geniale Zeitreisestory
  • Interessante Zeitspielerein
  • Hochwertige Technik und Serie
Con
  • Optisch durchwachsen
  • Rätsel zu einfach
  • Entscheidungen haben kaum Einfluss auf Story
88%Gesamtwertung

Tschuu, tschuuu… der Hypetrain fährt ein! Nur wenige Games wurden in letzter Zeit so sehr erwartet wie Quantum Break. Und dies zu recht. Der Mix aus 3rd-Person-Shooter, Zeitreiseabenteuer und Spielfilm klang vielversprechend. Und auch Microsoft hat viel investiert, um aus dem Spiel des finnischen Entwicklers Remedy ein Vorzeigespiel für die One zu zaubern. Ob das Resultat den Erwartungen gerecht wird, klärt dieser Test.

Die Zeit ist ein Ei

Elegant wie eine Gazelle weicht Jack Joyce dem anfliegenden Beschuss aus. Die Zeit um ihn herum scheint fast still zu stehen. Mit wenigen Schritten ist der Gegner, ein Söldner der Firma Monarch Solutions, erreicht und mit zwei kräftigen Schlägen KO gesetzt. Doch schon prasseln rund um Jack die nächsten Kugeln ein. Eine schnell um ihn erzeugte Schutzkuppel lässt die tödlichen Geschosse wirkungslos verpuffen, während unser Held einen der Feinde in einer Zeitblase einfriert. Jack feuert mehrere Schüsse in dieses Stasegebilde. Sobald es zusammen bricht, werden die Kugeln mit einem Schlag auf den Soldaten herein brechen. Wie ein Blitz springt Jack von Deckung zu Deckung um den letzten verschanzten Gegner zu erreichen. Die Druckwelle dieses Blitzsprintes reißt den Soldaten von den Beinen und lässt ihn in Zeitlupe durch die Luft segeln. Ein paar gezielte Treffer machen ihn anschließend unschädlich.

 

Quantum_Break_1

 

Was sich liest wie ein Hollywood-Actionfilm ist tatsächlich das Gameplay von Quantum Break. Denn zusätzlich zu den üblichen Schießeisen verfügt der Held über die Fähigkeiten, die Zeit zu manipulieren. Doch von Anfang an.

Jack Joyce ist ein Rumtreiber. Nach dem Unfalltod seiner Eltern zerstritt er sich mit seinem älteren Bruder William und führte fortan ein nomadisches Leben, bei dem er unter anderem Waffentraining in Laos erhielt und immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Jahre später erhält er in Bankok eine Mail von seinem Jugendfreund Paul Serene, der Hilfe bei einem wissenschaftlichen Projekt benötigt, an dem er mit William arbeitet und dem bald die Forschungsgelder gestrichen werden sollen. Jack fliegt also zurück in seine Heimatstadt Riverport um dort zusammen mit Paul in einer Nacht und Nebel Aktion eine merkwürdige Maschine zu testen – nichts ahnend, dass sie damit einen Unfall verursachen, der einen Riss in der Zeit erschafft, der diese für immer zum Stillstand bringen wird. Plötzlich von der Privatarmee von Monarch Solutions und einem mysteriöser weise gealterten Paul Serene gejagt, erkennt Jack, dass nur er das Unheil aufhalten kann. Zudem wurde er bei dem Unfall einer erhöhten Dosis von Chrononpartikeln ausgesetzt, die es ihm Stück für Stück ermöglichen, die Zeit zu manipulieren.

Spiel/Film

Mehr soll zu der Geschichte auch gar nicht verraten werden. SciFi-Fans mit einem Faible für Zeitreisen kommen auf jeden Fall voll auf ihre Kosten. Das besondere an Quantum Break ist nämlich die geschickte Verquickung von Spiel und Serie. Der durchweg prominent besetzte Cast aus zum Beispiel Shawn Ashmore (X-Men), Aidan Gillen (Game of Thrones „Kleinfinger“) oder Dominic Monaghan (Lost; Herr der Ringe „Merry“) leiht nämlich nicht nur ihrem virtuellen Abbild Stimme und Gesicht, sondern tritt auch in der eigens hochwertig für das Spiel produzierten Realserie auf. Und diese Symbiose geht voll auf. Nach jedem Akt der Handlung trifft man in der Haut von Paul Serene eine radikale Entscheidung. Diese beeinflusst direkt die Handlung der folgenden Serienepisode. Nach der jeweils etwas 25minütigen Folge beginnt der nächste Akt. Die Qualität befindet sich schon fast auf dem Niveau eines Breaking Bad, wenn auch die Effekte manchmal etwas zu offensichtlich sichtbar sind und einige Dialoge das hohe Niveau nicht halten können. Kulissen und Ausstattung zeugen aber trotzdem von einem hohen Budget. Während der Spieler direkt der Geschichte um Jack Joyce folgt, konzentriert sich die Serie auf Nebencharaktere wie den Monarch-Angestellten Charlie oder Jacks Verbündete Beth Wilder. Aber auch die Antagonisten wie Paul Serene (Aidan Gillen) oder Martin Hatch (Lance Reddick) bekommen viel Screentime. Gerade Reddick spielt die rechte Hand von Serene mit sehr viel Kompromisslosigkeit und Verschlagenheit. Seine Figur Hatch ist wohl der undurchsichtigste und interessanteste Charakter der Serie. Es macht Spaß, die ganzen Querverweise zwischen Serie und Spiel zu entdecken. Ankreiden muss man allerdings das massive Product-Placement seitens Microsoft und Nissan.

Leider befindet sich die Serie nicht auf der Disk, da sie das Format bei weitem überstiegen hätte. Man hat die Wahl, ob man die Serie streamen möchte oder sich den etwa 75GB großen Datenbrocken vorher herunter lädt. Schade, dass hätte auch anders gelöst werden können. Zwar wird die gezeigte Serienepisode von der getroffenen Entscheidung beeinflusst, der Fortgang der Rahmenhandlung aber kaum. Alles steuert auf ein unvermeidliches Finale hin. Auch da hätte man sich auf Seiten der Entwickler mehr Entscheidungsfreiheit gewünscht.

Das Spiel mit der Zeit

Was den Finnen von Remedy besonders gelungen ist, ist der geschickte Tempowechsel zwischen Action und Story. Beide Elemente wechseln sich immer wieder gekonnt ab, so dass Quantum Break nie zu einem stupiden Shooter verkommt. Viele Kapitel sind eher ruhig angelegt und treiben die Geschichte voran. Gerade hier macht sich das hervorragende Skript und Artdesign bemerkbar. Viele Setpieces sind imposant modelliert und strotzen vor Details. Die Gefechte an sich sind verlaufen vom Grundsatz her nach Schema-F. Man betritt einen abgegrenzten Bereich und muss nach und nach Wellen von verschieden zusammen gestellten Gegnergruppen erledigen, bevor es weiter geht. Hier kommen nun allerdings Jacks Manipulationsfähigkeiten zum Einsatz. Nach und nach werden im Spiel die verschiedensten Moves freigeschalten. Jack kann Gegner temporär in einer Zeitblase einschließen, ein Schutzschild um sich aufbauen, Zeitexplosionen auslösen, blitzartig in Deckungen sprinten oder die Zeit verlangsamen und so Geschützen ausweichen oder Gegnern in den Rücken fallen. Der Zeitblick zeigt einem solange man still steht Feinde und manipulierbare Objekte an. Gerade zu Beginn sind diese Kräfte so overpowered, dass Gegner kein Hindernis darstellen. Später bekommt man es allerdings mit Soldaten zu tun, die dank Chrononrüstungen ähnliche Fähigkeiten besitzen und auch konventionell bekämpft werden müssen. Ab und zu trifft man auch auf dick gepanzerte Gegner, die vor Jacks Fähigkeiten geschützt sind und nur von hinten angegriffen werden können.

 

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Durch Finden und Aufsammeln von versteckten Chrononpartikeln können die einzelnen Kräfte aufgelevelt und verbessert werden. So hält das Zeitschild wesentlich länger oder die Zeitblasen werden größer und können mehr Gegner festhalten.

Die einzelnen Fähigkeiten benötigen zudem eine bestimmte Aufladezeit, bis sie wieder einsatzfähig sind. So bleiben die Gefechte spannend und es ist geschicktes Taktieren erforderlich. Natürlich kann Jack auch auf eine Vielzahl an Schießprügeln zurück greifen, um sich seiner Feinde zu erwehren. Von Pistolen über Schrotflinten und Sturmgewehren bis hin zu Karabinern ist alles dabei. Granaten bleiben den Gegnern vorbehalten. Das Deckungssystem ist intuitiv und funktioniert automatisch. Nähert sich Jack einer Deckungsmöglichkeit oder Wand, schmiegt er sich daran an. Lästiges Tasten drücken entfällt.

An einigen Stellen muss man kleiner Zeitpuzzle lösen, um weiter zu kommen. Leider wird man hierbei viel zu deutlich zur Lösung dirigiert, so dass man keiner Gefahr läuft, seine grauen Zellen zu stark zu belasten. Beispielsweise muss die Zeit zurück gespult werden, damit man neben einem LKW ein Rolltor passieren kann. Die Punkte, an denen dies funktioniert sind aber fest vorgegeben.

Da es derzeit im Trend zu sein scheint Spieler mit Sammelaufgaben zu beschäftigen, gibt es natürlich auch hier massig Gegenstände zu finden. Neben den bereits angesprochenen Chonospartikeln handelt es sich dabei vornehmlich um Emails, Audiologs oder Infoobjekten. Auf der einen Seite ist es positiv, dass die Gegenstände nicht einfach nur da sind, sondern auch interessante Storydetails enthalten, andererseits kann einen die Masse an Text und Infos auch fast erschlagen. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Vor allem weil ungeduldige Spieler dadurch viele Facetten der Geschichte einfach verpassen.

Optisch am eindrucksvollsten sind die Abschnitte, in denen die Zeit stottert. Zum Beispiel muss man eine Brücke überqueren, die gerade von einem Schiff gerammt wird. Dabei schweben Objekte regungslos in der Luft oder bewegen sich immer wieder vor und zurück. Über Wrackteile hüpfend bahnt man sich nun seinen Weg durch das Chaosstillleben, welches um einen herum wütet.

Und sonst so?

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Wenn wir schon bei der Optik sind. Remedy hat so einiges aus der One heraus gekitzelt. Die Charaktermodelle gleichen ihren Vorbildern fast bis aufs Haar, Gestik und Mimik wirken äußerst lebensecht. Die Szenenbilder sind abwechslungsreich und mit massig Details versehen. Auch wenn die Abschnitte relativ linear sind, kann man sich ewig in sehenswerten Nebensächlichkeiten verlieren. Gleich zu Beginn kann man beispielsweise einen Fernseher finden, auf dem ein fiktiver Filmtrailer läuft. Hauptdarsteller dieses Trailers ist Sam Lake persönlich, Creative Director von Remedy und geistiger „Vater“ von Max Payne und Quantum Break. Optisch einzigartig sind auf jeden Fall die verschiedenen Zeiteffekte. Objekte werden optisch verzerrt, setzen sich nach einer Explosion wieder zusammen oder scheinen sich aufzulösen. Gerade in den angesprochenen Zeitstotter-Szenen bleibt einem schon einmal die Spucke weg. Allerdings merkt man dem Spiel gerade auf großen TV-Geräten seine niedrige Auflösung an. Remedy versuchte dies zwar durch komplexe Antialising-Methoden, Blur und Bildfilter zu kaschieren, es sticht einem aber doch ins Auge. Manchmal kommt es auch zu Problemen beim Nachladen der Texturen, so dass viele Objekte kurz noch als Pixelbrei zu sehen sind. Auch die Bildrate verlässt ab und zu die Wohlfühl-Regionen und sorgt so für unschöne Ruckler. Der grau-blaue Bildstich ist auch erst mal Gewöhnungssache. Klar, es wird von den Entwicklern als Stilmittel so gewollt sein, ein paar mehr Farben hätten der Optik aber durchaus gut gestanden.

Nichts zu meckern gibt es beim Sound. Die Explosionen und Waffen klingen satt und wuchtig, die dynamische Musik fügt sich perfekt in die Umgebung ein und die Umgebungseffekte können sich auch hören lassen. Ein besonderes Lob gilt der deutschen Synchronisation. Die Sprecher agieren durchweg sehr professionell und glaubhaft. Eine derart hohe Qualität ist bei Games sehr selten, was natürlich auch den Stammsprechern der Schauspieler geschuldet ist.

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